Theodor Askan
Mein Name ist Theodor Askan. Ich schreibe über Dinge, die vergangen sind, uns aber bis heute nicht loslassen.
Schon seit meiner Schulzeit fasziniert mich die Geschichte. Aber es waren nie die reinen Jahreszahlen oder die glorifizierten Siege der Könige, die mich wirklich gefesselt haben. Die viel spannendere Frage war für mich immer: Was löst historische Ereignisse eigentlich aus? Welche Gewalt steckt dahinter? Und vor allem: Was haben diese Ereignisse mit den einfachen Menschen gemacht?
Wenn ich historische Sachbücher lese, stelle ich mir oft ein Gedankenspiel vor: Wie hätten sich diese epochalen Ereignisse auf mich, auf meine Familie oder meine Freunde ausgewirkt, wenn wir in dieser Ära geboren worden wären?
Die faszinierende Erkenntnis dabei ist: Die Menschen selbst sind seit der Antike gleich geblieben. Unsere Ängste, unsere Hoffnungen, unsere Liebe zu unseren Kindern. All das unterscheidet uns nicht von einem römischen Legionär oder einem byzantinischen Fischer. Was sich geändert hat, ist lediglich unsere Technologie. Und damit das Ausmaß der Katastrophen, die wir über uns selbst bringen. Die Zerstörungskraft ist gewachsen, aber die psychologische Last der einfachen Leute, die diese Katastrophen ausbaden müssen, ist seit Jahrtausenden dieselbe.
Genau dieses Spannungsfeld ist der Kern meines Schreibens.
Mein Roman Das Archiv der Narben behandelt die große, historische Dimension dieser Gewalt. Aber er erzählt nur die halbe Wahrheit.
Deshalb schreibe ich diese Kurzgeschichten. Sie geben mir die Möglichkeit, die Perspektive umzukehren. Sie zeigen das Schicksal der einfachen Leute, die plötzlich mitten in dieser Gewalt stehen, ohne jemals gefragt worden zu sein oder Verantwortung dafür zu tragen.
Meine Kurzgeschichte Das Rauschen des Bosporus spielt im Jahr 1453, während Konstantinopel unter dem Feuer der osmanischen Kanonen erzitterte.
Es war eine Zeit voller historischer Ironie: Zwei Religionen, die sich im Kern als friedlich verstehen, trafen im letzten Rest des Römischen Reiches mit absoluter Brutalität aufeinander. Der Fall der Stadt markierte das blutige Ende einer Epoche und gleichzeitig den Beginn einer neuen Ära des Aufstiegs, für Istanbul und für das Osmanische Reich. Ein Erbe, dessen gewaltige Bauwerke wir bis heute bewundern können.
Doch zwischen diesen Epochen und unter diesem architektonischen Erbe liegen die Toten der Geschichte, deren Geschichten nie erzählt wurden. Menschen wie mein Protagonist Lukas, ein alternder Fischer, der eigentlich nur seine Familie beschützen will.
Genau diesen vergessenen Stimmen gehören die Geschichten aus dem Archiv der Narben.
-Theodor Askan
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Oh, das klingt nach spannenden Erkenntnissen und macht Lust auf mehr.
Hallo Theodor! Eine sehr schöne und tief gehende Vorstellung. Bin sehr gespannt, was ich aus Deinen Geschichten lernen und erleben kann. :)